Klimaschutzprojekte
Kompensation- und Klimaschutzstrategie der Universität Wien
Die Universität Wien verfolgt das Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein. Grundlage dafür ist eine regelmäßig erstellte Treibhausgasbilanz sowie eine Roadmap mit klar priorisierten Reduktionsmaßnahmen in relevanten Emissionsbereichen. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die universitätseigenen Emissionen um rund zwei Drittel zu senken.
Auch bei konsequenter Umsetzung aller technisch, organisatorisch und wirtschaftlich realisierbaren Reduktionsmaßnahmen bleibt ein nicht vermeidbarer Rest-Fußabdruck bestehen. Für die Universität Wien liegt dieser bei etwa einem Drittel der ursprünglichen Emissionen. Um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, ist es internationaler Standard, für die verbleibenden Emissionen durch Investitionen in qualitativ hochwertige Klimaschutzprojekte Verantwortung zu übernehmen
Kompensation ist für die Universität Wien daher kein Ersatz für Emissionsreduktion, sondern ein ergänzendes Instrument, das erst nach Ausschöpfung aller Reduktionspotenziale zum Einsatz kommt.
Die Universität Wien entwickelt hierfür eine eigene Strategie. Ein zentrales Prinzip ist der Fokus auf universitätseigene, wissenschaftsnahe Projekte, die eng mit Forschung und Lehre verbunden sind. Ziel ist es, Kompensation nicht als reinen finanziellen Ausgleich zu verstehen, sondern als Teil des universitären Wirkens und als Gegenstand wissenschaftlicher Arbeit.
Regenwald der Universität Wien
Der „Regenwald der Universität Wien“ ist ein einzigartiges Projekt, das nur durch die langjährige Präsenz der Universität Wien an der Tropenforschungsstation La Gamba in Costa Rica möglich ist. Die Universität Wien ist dort seit 1993 führend beteiligt. La Gamba ist international anerkannt als Standort exzellenter Forschung und Lehre in den Bereichen Tropenökologie, Biodiversität, Naturschutz und nachhaltige Landnutzung.
Luftaufnahmen der Tropenstation La Gamba
Projektstatus
Genehmigung durch den Universitätsrat im September 2025. Auswahl und Ankauf geeigneter Flächen in Costa Rica sind 2026 in Vorbereitung.
Das Projekt zielt auf die Wiederbewaldung ehemals degradierter Flächen im Umfeld der Forschungsstation ab. Dadurch entsteht eine langfristig gesicherte Forschungs- und Lehrinfrastruktur, die wissenschaftliche Arbeiten zu Ökosystemdynamiken, Kohlenstoffspeicherung, Biodiversität, Klimawirkungen und Renaturierung ermöglicht. Die CO₂-Bindung ist ein wichtiger Zusatznutzen, steht jedoch nicht isoliert, sondern im Kontext eines umfassenden Forschungsansatzes. Ein wesentliches Merkmal des Projekts ist, dass Planung, Umsetzung und Monitoring unter direkter wissenschaftlicher Verantwortung der Universität Wien erfolgen. Dadurch kann die Universität Kompensation nicht nur anwenden, sondern selbst erforschen, evaluieren und kontrollieren. Transparenz, Vermeidung von Doppelzählungen, langfristige Wirkung sowie die Einbettung in bestehende Forschungs- und Schutzkonzepte sind zentrale Voraussetzungen. Das Projekt wurde akribisch vorbereitet und umfassend geprüft.
Eingang der Tropenstation La Gamba
FAQs zum Projekt
Die Universität Wien setzt auf Kompensation, weil selbst bei konsequenter Umsetzung aller technisch, organisatorisch und wirtschaftlich realisierbaren Reduktionsmaßnahmen ein nicht vermeidbarer Rest-Fußabdruck verbleibt. Auf Basis der Treibhausgasbilanz und der Roadmap Klimaneutralität kann die Universität Wien ihre Emissionen um rund zwei Drittel reduzieren. Das verbleibende rund ein Drittel der ursprünglichen Treibhausgasemissionen kann nicht weiter vermieden werden und muss zur Erreichung der Klimaneutralität durch geeignete Kompensationsmaßnahmen neutralisiert werden. Kompensation ist dabei ausdrücklich nachrangig zur Emissionsvermeidung und ein ergänzender Baustein der Klimaschutzstrategie.
Das Projekt “Regenwald der Universität Wien” ist eng mit der Tropenforschungsstation La Gamba, einer Außenstelle der Fakultät für Lebenswissenschaften, verbunden, an der die Universität Wien seit Jahrzehnten forscht und lehrt. Bestehenden universitäre Forschungsinfrastruktur wird ausgebaut. Durch den Erwerb von Grundstücken und die geplante Wiederbewaldung soll ein biologischer Korridor zwischen den Tieflandregenwäldern am Pazifik und den Bergrandregenwäldern im Landesinnere geschaffen werden.
Die langjährige wissenschaftliche Präsenz, bestehende Kooperationen, lokale Expertise und Infrastruktur ermöglichen eine Umsetzung unter eigener wissenschaftlicher Kontrolle.
Im Projekt werden geeignete, ehemals degradierte Flächen im Umfeld der Tropenforschungsstation La Gamba identifiziert und über die lokale Betreibergesellschaft erworben. In einem nächsten Schritt werden diese Flächen mit autochthonen Baumarten wiederbewaldet. Die fachliche Auswahl der Flächen, Baumarten und Wiederbewaldungsmaßnahmen erfolgt auf Basis wissenschaftlicher Vorarbeiten und unter Verantwortung der Tropenstation La Gamba, die seit vielen Jahren erfolgreich Wiederbewaldungsprojekte koordiniert.
Die Wiederbewaldung erfolgt durch lokale Teams mit einer initialen Bepflanzung und einer hohen Vielfalt heimischer Baumarten, um Resilienz und Biodiversität zu fördern. Die Flächen stehen langfristig für Forschung und Lehre zur Verfügung. In den ersten Jahren werden Baummortalität, Entwicklung der Bestände und die CO₂-Speicherung systematisch überwacht, bei Bedarf wird nachgepflanzt. Die Klimawirkung soll nach internationalen Standards erfasst werden. Plan ist, dies auch regelmäßig durch unabhängige Dritte überprüfen zu lassen.
Das Projekt ist mehrjährig angelegt und wird schrittweise umgesetzt. Über eine mögliche weitere Skalierung wird erst nach Evaluierung der ersten Umsetzungsphase entschieden. Auch im Fall eines Projektstopps bleiben die bis dahin erreichten Effekte dauerhaft erhalten, sowohl für die Forschung als auch für Biodiversität und Klimaschutz.
Die Umsetzung des Projekts “Regenwald der Universität Wien” erfolgt schrittweise und unter laufender wissenschaftlicher Begleitung. Zunächst wird das Projekt in einer begrenzten Skalierungsphase umgesetzt, um Erfahrungen zu sammeln, geeignete Strukturen vor Ort aufzubauen und die Wirkung systematisch zu evaluieren. Eine weitergehende Ausweitung des Projekts ist erst nach positiver Bewertung dieser ersten Phase vorgesehen und erfolgt ausschließlich auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse. Dadurch stellt die Universität Wien sicher, dass Qualität, Transparenz und langfristige Wirksamkeit jederzeit gewährleistet sind.
Ja, gezielt und zweckgebunden für das Klimaschutzprojekt und den Aufbau nachhaltiger Infrastruktur. Es handelt sich bei diesem Projekt nicht um den Ankauf externer Zertifikate.
Das Projekt „Regenwald der Universität Wien“ ist langfristig darauf ausgelegt, bei Erreichen der vorgesehenen Skalierung eine jährliche Kompensation von rund 4.500 Tonnen CO₂-Äquivalenten zu erreichen. Diese Zielgröße basiert auf konservativen Annahmen zur Wiederbewaldungsfläche, Baumdichte und CO₂-Speicherleistung und entspricht internationalen Standards für Wiederbewaldungs- und Kompensationsprojekte.
Weitere Klimaschutzprojekte in Prüfung
Neben dem Projekt in Costa Rica werden von der Universität Wien weitere forschungsnahe Ansätze zur Bindung von Treibhausgasen geprüft. Dazu zählt auch das in einer frühen Pilotphase befindliche Projekt „Klimamoor“ zur Wiedervernässung von Feuchtgebieten in Österreich, das eng in die universitäre Lehre eingebunden ist. Dieses Projekt befindet sich derzeit in einer internen Prüf- und Vorbereitungsphase.